Taugt CRM nur noch zur Effizienzsteigerung?

28. November 2007 – 22:04:00

Der deutsche CRM-Expterte Dr. Ulf Reinhardt hat letzhin in einem Artikel die These aufgestellt, dass sich CRM zusehends auf Effizienzoptimierung fokussiert und sich immer weniger auf seine ursprünglich vorgesehene Rolle der Verbesserung der Kundenorientierung und damit der Verlängerung und Aufwertung der Kundenbeziehung konzentriert.

Ich denke CRM sollte beiden Ansprüchen gerecht werden. Einerseits sollen Serviceprozesse (und dazu gehören auch der Verkauf, das Marketing und der Kundenservice) effizient gestaltet und entsprechend automatisiert sein. Dabei muss zwingend zwischen Front- und Back-Office unterschieden werden. Im Backoffice und bei den für den Kunden nicht sichtbaren und damit für das Kundenerlebnis nicht relevanten Prozesse müssen Prozess- und Kostenüberlegenheit ein strenges Regime führen. Ein absolut rigoroses Kostenmanagement kombiniert mit einer konsequenten laufenden Methodik zur Prozessverbesserung (bspw. Six Sigma)  hält die Organisation ‚lean'. Dazu gehört auch das Thema Outsourcing. Prozesse müssen immer wieder auf den Prüfstand eines möglichen ‚make or buy' Entscheides gestellt und falls nicht Kernkompetenz ausgelagert werden. 

Ganz anders im Front-Bereich. Bei der Servicequalität und Kundenzufriedenheit gibt es keine Kompromisse und Unternehmen sollten hier bereit sein überdurchschnittlich viele Ressourcen dafür aufzuwenden. Dabei kann sich jedes Unternehmen auch mit Branchenfremden Profis in diesem Bereich benchmarken wie Marriott, Starbucks Coffee, Nike, Apple oder andere.

Diese hohe Investitionsbereitschaft im kundennahen Berich kann durch Kosteneinsparungen im Back-office gespiesen werden. Das was man hinten spart, kann man vorne investieren. Und das steigert die Kundenzufriedenheit und die Verkäufe. Zudem hat eine hohe Prozess-Standardisierung einen weiteren wichtigen Vorteil. Nehmen wir als Beispiel das klassische Retailbanking, wo man einfache Produkte verkauft. Dort braucht es durch die hohe Standardisierung nicht zwingend Mitarbeiter mit einer klassischen umfassenden Bankausbildung. Im Gegenteil: Im Retailbanking sind Verkaufskompetenz und Servcieorientierung der Mitarbeitenden entscheidende Erfolgsfaktoren. Wenn es also gelingt, Leute aus der Hotellerie, dem Verkauf zu gewinnen, stiegen die Verkaufs- und Serviceleistungen markant an, ohne dass zu teures (überqualifiziertes) Personal eingesetzt werden muss.

 

Von Tom Buser | Kategorie: CRM
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Kommentare

CRM-Unsinn

goodnight - 18. September 2008, 11:44
Die weiter Entwicklung des CRM-Marktes bleibt abzuwarten, insbes. aufgrund der letzten Skandale in Bezug auf das Weiterverbreiten personenbezogener Daten wird sich ein Umdenken ín Geselleschaft, Politik, aber auch der Wirtschaft einstellen. Das ungenierte Data-Mining hat meiner Ansicht nach seinen Zenith bereits überschritten; Zielführender ist es gute und passende Produkte zu entwickeln und zu vertreiben.

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Der Kunde als Innovationsmotor

Tom - 18. September 2008, 15:23
Hallo Goodnight,
Es mag sein, dass mit der übermotivierten Datensammlerei auch einiges an Schindluderei getrieben wird. Wenn aber Data-Mining nicht nur zur Maximierung der Verkaufsbschlüsse dienen würde, sondern im Sinne einer gesamtheitlichen Sicht auch zur Verbesserung der Produkte und Dienstleistungen beitragen könnte, wäre deine Forderung bereits erfüllt. Nämlich die nach kundengerechten, sinnvollen und nutzbringenden Produkten und Dienstleistungen. In diesem Sinne könnte der Kunde als Innovationsmotor wahr- und ernstgenommen werden. Das sehe ich als eigentliche Aufgabe von CRM. Die Kundenwünsche aus Verkauf und Kundenservice so ins Unternehmen zu tragen, dass sie eben die gesamte Wertschöpfung im Sinne des Kunden beeinflusst. Dann klappts dann auch mit den Verkäufen.
Beste Grüsse
Tom Buser

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Effizizienz führt zu besseren Kundenbeziehungen

CRM Guru ;) - 02. Januar 2008, 19:42
Ich sehe zwischen den Ansprüchen Effizienzoptimierung und Aufwertung der Kundenbeziehung ebenfalls eine große Schnittmenge! Insbesondere im B2B-Bereich wo komplexe Produkte und Leistungen angeboten werden bedeutet CRM z.B. bessere Kommunikation mit dem Kunden. "Besser" bedeutet hier mit "einer Stimme" sprechen zu können obwohl vielleicht 10 oder mehr Personen an einem Vertriebsprojekt involviert sind. Damit sinken die Kosten intern aber auch dem Kunden werden viele graue Haare erspart.

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Retailbanking und CRM

Ingolf Kreuzer - 09. Juni 2008, 21:21
Gerade das Retailbanking frustriert mich als Kunden in letzter Zeit zusehends. Konkret geht es darum wie die Branche mit ihren Bestandskunden umgeht. Ich habe in meinem privaten Blog einen Beitrag dazu verfasst:

http://www.bananenberg.de/wenn-der-bestandskunde-stoert/

Glücklicherweise bin ich in der Lage nicht unbedingt auf das Retailbanking angewiesen zu sein. Ich nutze es aber auch, weil ich die Einfachheit der Produkte schätze und mir so die Beratung, die man ansonsten glaubt mir geben zu müssen, aus Zeitgründen spare. Geld spart es zum Teil natürlich obendrein.
Ansonsten ein großes Lob für Ihren Blog, den ich in meine Blogroll aufgenommen habe.

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