Der Computer 'Mensch'

25. Mai 2007 – 10:30:00

Seit den frühen achtziger Jahren verdoppelt sich die Leistungfähigkeit von Computern alle vier Jahre. Kürzlich hat IBM einen Computerchip vorgestellt, der das Internet in einigen Jahren deutlich schneller machen könnte. Dank optischer Anschlüsse kann der Prototyp Daten mit einer Geschwindigkeit von fast 160 Gigabyte pro Sekunde übertragen. Damit würde zum Beispiel der Download eines Films in hoher Auflösung nur eine Sekunde dauern. Die neuen Chips kommunizieren miteinander durch Lichtimpulse über Glasfaserleitungen statt durch elektrische Signale über Drähte.

Der visionäre Raymond Kurzweil, der als einer der bedeutendsten Forscher auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz gilt, hat kürzlich in einem Interview einen Termin genannt an dem die Entwicklung der Computertechnologie mit den Fortschritten der Neurobiologie zusammentreffen. An dem Tag im Jahre 2029 werden Computer so leistungsfähig sein wie ein menschliches Gehirn und die Neurobiologen werden den genetischen Code des Gehirn vollständig entschlüsselt haben. An dem Tag wird der Computer ‚Mensch’ geboren und wird sich aller Wahrscheinlichkeit nach auf den Weg einer rasanten Evolution machen.

Für die einen Menschen eine Traumvorstellung, für die anderen eine Horrorvision. Wie werden sie sein, diese Menschenmaschinen und viel wichtiger: Wie werden sie sich entwickeln? Was passiert, wenn sie uns plötzlich intellektuell um Meilen voraus sein werden? Der polnische Philosoph Odo Marquard hat einmal geschrieben:

„Der Mensch ist etwas Altes, aber er lebt in einer Welt, die immer mehr Neues hervorbringt. Diese Innovationsgeschwindigkeit überfordert den einzelnen Menschen. Deshalb hängt er am Herkömmlichen, deshalb richtet er sein Leben im Gewohnten ein, deshalb werden Kleingärten, die Familie, Haustiere, Waldspaziergänge, Teddybären und Flohmärkte nicht verschwinden. Sie werden an Bedeutung gewinnen, denn Zukunft braucht Herkunft.“

Im besten Fall werden wir also in Zukunft ein bequemes Leben leben, imitten unserer nostalgischen Umgebung, umgeben von intelligenten Maschinen, die unsere Arbeit und unseren Alltag erledigen oder aber als Sklaven von den von uns selbst erschaffenen neuen Göttern.

Von Tom Buser | Kategorie: IT
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Kommentare

Odo Marquard

Hafner on CRM - 26. Mai 2007, 12:53
Spannend, mein lieber Tom. Du hast also auch Odo Marquard entdeckt. Zwei Anmerkungen dazu. 1. Odo Marquard ist mitnichten Pole sondern Deutscher. Steht auch im entsprechenden Wiki-Eintrag. Sein Geburtsort liegt halt heute in Polen. 2. Geht es doch darum, sicherzustellen, dass sich die Zukunft auf Basis der Herkunft so entwickelt, dass dieser Prozess vom Menschen als stimmig und "richtig" wahrgenommen wird. Dementsprechend muss sich natürlich - um auf unser Thema zurück zu kommen, sonst berufen sich nachher alle auf Marquard und keiner kapiert warum! - auch das CRM einer Unternehmung an den Werten und Tugenden dieses Unternehmens (im Idealfall ausgedrück durch die Marke) orientieren. DAS wäre noch eine spannende Veranstaltung. Lass uns einmal darüber reden.
Liebe Grüsse Nils (http://hafneroncrm.blogsopt.com)

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Zukunft = Herkunft?

Tom Buser - 31. Mai 2007, 21:33
Danke für deinen Kommentar, Nils. Was Odo Marquard betrifft, so hoffe ich, dass ich mit meiner Nachlässigkeit die freundschaftliche deutsch-polnische Beziehung nicht gefährdet habe.

Wie du weiter richtig bemerkst, fusst unsere Zukunft auf unserer Herkunft. Trotzdem liegt die Zukunft nicht in unserer Herkunft. Denn Zukunft ist immer auch ein Wagnis, weil eben nicht vorhersehbar und nur beschränkt gestaltbar. Kann in einem Fall das Erfolgsgeheimnis in der Wahrung und Entwicklung von alterhergebrachten Werten und Traditionen liegen, so ist es im anderen Fall der bewusste Bruch mit eben diesen, der den Erfolg bringt (siehe dazu auch http://www.tombuser.ch/article/Survival_of_the_Fittest). Wann welche Strategie für Unternehmen zur Anwendung kommen sollte, wäre ebenfalls ein interessantes Veranstaltungsthema. Bis Bald. Tom

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Eben Doch!

Hafner on CRM - 04. Juni 2007, 19:34
Bitte, bitte, gern geschehen. Zwischen die Polen und die Deutschen und die Schweizer passt eben doch kein Blatt.

Nichtsdestotrotz ist das interessante in Marquards Ansatz halt, dass es immer etwas erhaltenswertes im Unternehmen gibt, eben die Tugenden. Denn sonst hätte es dieses Unternehmen nicht bis hierher geschafft. Es geht m.E.n. mehr um die Rahmenbedingungen einer Strategiegestaltung als um ein reines "Weiter so!". Denn das funktioniert wirklich nur begrenzt. Nichtsdestotrotz steht natürlich das Angebot mit einer thematisch zwar eng begrenzten aber doch stark betroffenen Zuhörerschaft.

Mit den besten Grüssen vom Bodensee
Nils

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