Der Tod der IT
15. Februar 2008 – 10:04:00
In einem provokanten Buch prognostiziert Nicholas Carr das Ende der firmeneigenen IT - stattdessen kommt standardisiertes Utility Computing.
Autor Nicolas Carr, der bereits vor fünf Jahren mit der These "IT doesn't matter" aufwartete, hat ein neues Buch publiziert. Unter dem Titel "The Big Switch: Rewiring the World, from Edison to Google" stellt Carr auf unter anderem das baldige Ableben der unternehmensinternen IT-Abteilungen in Aussicht. Stattdessen werde die Firmen-IT künftig durch standardisierte Utility-Computing-Abonnements ersetzt.
Die Datenverarbeitung verschiebe sich aus dem firmeneigenen Rechenzentrum zu einem "zentralisierten IT-Dynamo", wie Carr die Grossanbieter von Computing-Services nennt. Der Autor vergleicht die Situation mit der Entwicklung der Stromversorgung oder dem Telefon: Während vor hundert Jahren viele Unternehmen noch eigene Generatoren betrieben hätten, überlasse man die Elektrizitätsversorgung heute fast ausschliesslich den Energiekonzernen (vgl. 'Software aus der Steckdose').
Zum Thema Software-Entwicklung meint Carr im New-Yorker Harvard-Club:
Die Entwicklung von neuer Software ist heutzutage schlichtweg unrentabel. Es ist viel günstiger, bereits bestehende Konzepte zu kopieren statt so viel Geld für die Entwicklung auszugeben. Der dadurch entstehende Vorteil könne niemals so gross sein, um die damit verbundenen Kosten auszugleichen.
Letztlich bringt IT per se keinen Nutzen. Ähnlich wie der Strom. Das Einschalten einer Glühbirne bringt noch keinen Vorteil, erst die dadurch ermöglichten Aktivitäten. Carr erklärt die Informationstechnologie zu einem Faktor, der einfach vorhanden sein und funktionieren muss, dessen reine Existenz aber noch niemandem etwas bringt. Erst die Orientierung der Informatikdienstleistungen an den Bedürfnissen innerhalb der Geschäftsprozesse generiert einen Mehrwert. In seinem zweiten Artikel bilanziert Carr dann, dass IT-Organisationen, für welche das simple Funktionieren von Technologie als Erfolg gefeiert wird, zwingend und diskussionslos ausgelagert werden müssten (Outsourcing).
Die Publikation wurde weitherum und insbesondere von der IT Community kommentiert. Unter anderem wird Carr vorgeworfen, dass er die Komplexität in der Technologie massiv unterschätze. Zitat:
Mr. Carr hasn't addressed what is likely the biggest obstacle to creating an IT utility: Managing all that data as it traverses its way along a multitude of cyberpathways through potentially millions of unknown sources and destinations.
Das mag jetzt so sein. Doch was heute Luxus ist, gehört morgen zum Standard. Und Standardausrüstungen können industriell gefertigt und über effiziente Distributionswege einer breiten Masse zu günstigen Konditionen zugänglich gemacht werden. So ist es auch bei der IT. Dieser Markt wird sich weiterentwickeln und wird immer neue Bereiche hervorbringen, die standardisier- und industrialisierbar sind. Und dort werden sich dann darauf spezialiserte Unternehmen profilieren. Das ist das Gesetz des Marktes und wiederholt sich seit das Rad erfunden wurde und die englischen Arbeiter auf die Dampfmaschinen losgingen.
Die internen IT Abteilungen sind deshalb gut beraten, wenn sie sich heute schon weniger auf infrastrukturelle und operative Belange fokussieren und vielmehr ihre Kompetenz im Bereich von Business Technologien ausbauen. Sprich: Dem Unternehmen helfen seine geschäftsstrategischen Herausforderungen zu meistern. Dort wird in Zukunft nutzen generiert. Und das lässt sich dann eben nicht auslagern. Dazu ein Zitat von Konfuzius:
Die Gesetze des Marktes: Sei immer vorbereitet, erkenne die Realität, ergreife Massnahmen.
Von Tom Buser | Kategorie: IT
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Tags: IT, Nicholas Carr, Outsourcing, Trends
IT, Nicholas Carr, Outsourcing, Trends
Kommentare
Tolles Buch
crm - 27. März 2008, 05:39
habe das Buch gelesen und kann es nur empfehlen. Es beschreibt eindrucksvoll den Wandel in der IT sowie die Probleme die Unternehmen heute haben. Besonders musste ich über das Thema "Technologieverliebtheit" von IT schmunzeln.
Also .... lesen ! Lohnt sich
Joachim Weber
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