Was bringt das IT-Jahr 2008?

08. Januar 2008 – 07:22:00

Die IT Trend-Auguren von und bis Gartner sind sich einig: 2008 wird nach seinen beiden Vorgängern wiederum ein gutes Jahr. Es werden weiter kräftig Jobs geschaffen und  es fehlen wie vor dem Jahrtausendwechsel wieder jede Menge IT-Fachkräfte. Die Geschichte wiederholt sich einmal mehr. Das dürfte meinen früheren Chef nicht im geringsten überraschen. Er verfolgte die These, dass in der IT-Branche jeweils die ersten fünf Jahre eines Jahrzehnts zu den mageren, die zweiten dann aber zu den fetten Jahren zählen. Er musste es wissen, hat er doch sein IT-Unternehmen sechs Jahre vor Bill Gates Microsoft gegründet.


Doch genug der Allgemeinplätze. Was treibt die IT-Abteilungen in diesem Jahr um? Hier meine persönliche Hitparade:

 

1. IT Sicherheit

Ganz oben auf der Prioritätenliste wird auch in diesem Jahr der Evergreen Sicherheit stehen. Die Herausforderung wird einmal mehr sein, auf die sich stetig wandelnden Bedrohungen im Web möglichst schnell reagieren zu können. Experten rechnen damit, dass heute bereits der Grossteil der Unternehmen mit unentdeckter, finanziell motivierter, gezielter Malware infiziert ist, die traditionelle Schutzmechanismen umgeht. Jüngstes Beispiel sind die sogenannten „Main-in-the-Browser“-Attacken. Daneben wird das Thema "Katastrophenbewältigung" ein ganz heisses. Nämlich wie kann ich in kürzester Zeit mein Geschäft nach einem Datenverlust wieder störungsfrei betreiben. "Business Contuinity and Desaster Recovery" sind die Stichwörter hierzu. 


2. Archivierung

Mit den sich über die letzten Jahre verschärfenden Compliance-Bestimmungen, beschäftigen sich viele Unternehmen zunehmend mit der Archivierung von Dokumenten und dem damit zusammehängenden Document-Lifecycle-Management. Es gilt, die zukunftssichere Lösung für die Verwaltung der Informationsflut zu finden. Dabei ist ein gewichtiger Teil der heutigen erzeugten, kopierten und gespeicherten Daten nicht in Form von Originalen sondern Kopien – abgelegt auf anderen Speichern, angehängt an E-Mails – vorhanden. Neue Technologien finden redundante Daten und ersetzen dieses durch Pointer, die auf das bloss noch einmal vorhandene Original zeigen. Das spart eine Menge Speicher und unterstützt dabei den Trend „Virtualisierung“.


3. Virtualisierung und Konsolidierung

Das Thema ist schon heute in aller Munde und wird 2008 einen neuen Höhepunkt erreichen. Im Sinne von „do more with less“, werden Desktops, Server und Netzwerke – eigentlich die gesamte IT-Infrastruktur – virtualisiert und konsolidiert. Das bringt mehr Effizienz und tiefere Kosten. Ersparnisse sind bei der TCO, beim Stromverbrauch, bei der Kühlung u.a. zu erwarten. Wird das ganze dann noch mit Automatisierungssoftware gekoppelt, die eine IT-Infrastruktur beinahe selbständig funktionieren lässt, ergeben sich dramatische Einsparungen auch beim Management der Infrastruktur.


4. On demand und shared

“Software as Service“, „Shared Infrastructure“ u.a. sind Schlagwörter, die uns in diesem Jahr öfter begegnen werden. Immer mehr Unternehmen und Private nutzen Applikationen und Infrastrukturen gemeinsam. Dabei bezahlen sie nur das und nur soviel sie tatsächlich nutzen (vgl. Artikel "Angekommen in der on Demand Welt"). Wenn ein Service von immer mehr Firmen und Privaten genutzt wird, sinkt der Preis für den Einzelnen. So ist auch ein rein monetär motivierter „Kunde wirbt Kunde“-Effekt zu erzielen. Daneben können Anpassungen und Weiterentwicklungen, die einzelne Anwender umgesetzt haben, für die anderen Nutzer nutzbar gemacht werden. Damit entsteht unter dem sozialen und kollaborativen Apsekt des Web 2.0 eine gehörige Innovationskraft und der Kunde wird zu einem eigentlichen Innovationsmotor.


5. Webplattformen und einheitliche Kommunikation

Daneben wird sich der Siegszug des IP-Standards als allumfassende Kommunikationsplattform fortsetzen. Ob in diesem Kontext "Unified Communications" bereits in diesem Jahr voll durchstartet gilt es abzuwarten, schliesslich steht das Thema bereits seit Jahren auf den vorderen Plätzen der Marktforscher – aber von nur 20 Prozent der Unternehmen tatsächlich adaptiert. Trotzdem: Die Bandbreiten werden besser und über den IP-Standard lassen sich jede beliebige Menge an Daten, Bildern und Tönen transportieren. Dies eröffnet gerade im Jahr der Fussball-Europameisterschaft für viele findige Köpfe neue Geschäftsmöglichkeiten. Damit das ganze dann auch prozessual und technologisch abgebildet und abgewickelt werden kann, werden wir mit Hilfe von „Webplattformen“ auf der Basis von „Software as Service“ innovative Angebote selbst entwickeln und die dazugehörigen Geschäftsprozesse im Web abbilden können. Und das alles mit dem Technik-Wissen eines gemeinen Business Consultants.

 

6. ITIL goes Business

Dass sich der moderne CIO immer stärker an dem Business orientieren muss, für das er Services zur Verfügung stellt, ist mittlerweile eine Binsenweisheit. Und auch, dass er dies gepaart mit den kürzer werdenden Lebenszyklen seiner Systeme und einer steigenden Ressourcenknappheit tun muss. Trotzdem wird sich die Wahrnehmung der IT in vielen Unternehmen verändern und mit ihr das Bewusstsein über ihren Beitrag zum Unternehmenserfolg. IT-Abteilungen werden vermehrt als eigentliche Service Provider als Unternehmen im Unternehmen organisiert und geführt. IT Dienstleistungen werden entwickelt, distribuiert,verbessert und mit einem Preis versehen. Wachstumsstrategien erhalten mit Hilfe der Informatik die nötige Effizienz und den Schub. Damit das alles funktionieren kann, braucht es ein Management Framework, das mit ITIL als IT Service Management Rahmen seinen Quasi-Standard gefunden hat. Mit der Version 3.0 hat das Ganze eine derart beachtliche Maturität erreicht hat, dass ITIL mittlerweile auch für das Management von unternehmerischen Kernprozessen abseits der IT-Welt eingesetzt wird.

 

7. Green-IT

“Grün” war das Schlagwort der zweiten Hälfte 2007 und wird es auch in diesem Jahr bleiben. Gefordert ist ein generelles Umdenken, und zwar sowohl in der Industrie als auch beim Anwender. Bleibt zu hoffen, dass das Ganze nicht im Pulverdampf der Marketingmaschinerie verschwindet. Zur Zeit bin ich da ein bisschen skeptisch. Bahnbrechende Entwicklungen aus der Industrie sind nicht in Sicht und so richtig sparende Konsumenten sind mir auch noch nicht in Massen begegnet. Oder wieviele Leute kennen Sie, die bewusst und konsequent Energie und Ressourcen schonen?

Von Tom Buser | Kategorie: IT
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