Wohin zielt Web 2.0
04. Mai 2007 – 06:45:00
Im Marketing wird gegenwärtig viel über ‚Web 2.0‘ diskutiert. In aller Regel meint man damit das Thema ‚Weblogs ‘ oder ‚Blogs ’. Unter dem Begriff ‚Web 2.0’ verstehen die Experten die moderne Web-Ära, die sich über 'nutzergenerierte Inhalte‘ und 'Social Software‘ definiert. Aus dem 'Read-only-Web‘ der neunziger Jahre, das mit ‚Web 1.0’ markiert wurde, wird mit ‚Web 2.0’ das 'Writable Web’. Damit ist das World Wide Web wieder da angekommen, wo es vor der Konfiszierung durch die Marketing- und Werbeabteilungen Mitte der 90er Jahre schon einmal war: Bei der Austauschplattform von Inhalten.
Laut einer Umfrage auf dem Online-Portal CRM-Manager setzen bereits über 40% der Teilnehmer Weblogs in ihren Unternehmen ein. Fast 25% planen den Einsatz solcher Instrumente. Bereits einen Blog eingeführt hat der Obstsafthersteller Walthers . Jörg Holzmüller, Geschäftsführer von Walthers, erläutert sein Weblog-Konzept und berichtet über erste Ergebnisse: “Bisher gab es auf unserer Unternehmenswebseite rund 80 Besucher pro Tag, unser Internet-Tagebuch lesen bereits 450 Nutzer. Wir registrieren auch konkrete Auswirkungen auf die Verkaufszahlen. Unser außergewöhnlichstes Produkt, der Aronia-Saft, schnellte durch die rege Diskussion der gesundheitsfördernden Wirkung in kürzester Zeit vom vorletzten Platz der Verkaufsliste unserer 42 Fruchtsorten unter die Top 5.” Der Einsatz von ‚Web 2.0’ Technologien wie Blogs und Foren können für Unternehmen also durchaus positive Folgen haben, aber auch durchaus heikle - wie wir an anderer Stelle in diesem Blog bereits erläutert haben.
Derweil geht die Technologische Entwicklung rasant weiter. Die Financial Times Deutschland berichtete Ende März: „Blogger steigern Wert von Kontaktdienst Twitter“. Twitter ist ein neuer Miniblog-Dienst, der zur Zeit im Silicon Valley für Aufruhr sorgt. Nutzer schreiben damit kurze Botschaften bis zu 140 Zeichen, die entweder auf der Internetseite oder dem Handy gelesen werden können. Twitter gibt es seit dem Sommer 2006. Der Durchbruch war Mitte März gekommen als IT-Blogger bei einer Konferenz in Texas das Angebot nutzten. In der Woche nach der Konferenz sei der Internetverkehr auf Twitter.com um 55 Prozent gestiegen.
Mit ‚Web 2.0’ werden einige schon länger andauernde Entwicklungen stärker sichtbar: Die Zielgruppenatomisierung setzt sich fort, die Zuordnung von Nutzern und Kunden zu definierten Gruppen nimmt ab und wird immer zufälliger und sprunghafter. Wir nähern uns der zukünftigen Zielgruppengrösse ‚1’ an. Immer mehr Kunden wollen statt Marketing-Monolog einen aktiven Dialog mit Unternehmen führen. Die klassische Banner-Werbung wird immer stärker gemieden. Empfehlungssysteme und Community-Verkauf werden immer wichtiger. Der heute noch dominierende Preis als Differenzierungsmerkmal von Produkten im Web wird immer stärker vom Produkt-USP ‚Individualisierung’ abgelöst. Das bedeutet die vollautomatisierte, web-basierte Möglichkeit der Produkt-Individualisierung. Dabei werden Kunden und potenzielle Kunden immer mehr schon in die Entwicklung der Basisprodukte miteinbezogen. ‚Open Innovation’ löst die Marktforschung ab. Zudem wird die Suchmaschine von der ‚Findemaschine’ abgelöst. Intelligente Web-Agenten übernehmen die Produktsuche, den Preisvergleich und die Bestellung ganz oder teilweise. ‚Web 2.0’ wird nicht nur das Marketing und die Kommunikation verändern, es wird mehr noch den gesamten Wertschöpfungsprozess von der Produktion bis hin zum After Sales neu definieren.
| Einbezug des Internets in die Gestaltung der Kundenbeziehung (Quelle: Vom Unternehmen zum Kundenunternehmen) |
Die Grafik veranschaulicht die Entwicklung, die das Internet seit seiner Geburt genommen hat. Ursprünglich wurden lediglich Firmen- und Produktinformationen publiziert. Anschliessend in der transaktionsorientierten Entwicklungsphase des e-Business-Hypes konnten Produkte über das Web bestellt und teilweise auch ausgeliefert werden. Heute befinden wir uns mitten in der Phase des ‚Dialogs’ (was die Grafik zugegebenermassen von der Chronologie her anders sieht). In dieser Phase, wollen die Kunden den bereits erwähnten aktiven Dialog mit den Unternehmen führen. In der Phase der ‚Integration’ werden die Kunden aktiv in die Produktentwicklung und –individualisierung miteinbezogen und in einzelne Elemente der Wertschöpfung eingebunden. Ein Beispiel dazu: Der T-Shirt Shop Spreadshirt delegiert die Distribution und den Verkauf seiner T-Shirts an sogenannte ‚Shop-Partner’. Spreadshirt ermöglicht jedem, seinen eigenen T-Shirt-Shop ins Internet zu stellen. Es ist ein Social Commerce-Unternehmen. Der Benutzer erstellt nur das T-Shirt-Design, den Druck und den Versand übernimmt Spreadshirt. Spreadshirt legt den Preis für das Produkt selbst fest, der Shopbetreiber kann zusätzlich eine Provision hinzufügen. Nach eigenen Angaben hat die Firma über 160.000 solcher ‚Shop-Partner’ weltweit.
Von Tom Buser | Kategorie: IT
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Tags: Financial Times, Marketing, Open Innovation, Social-Commerce, Spreadshirt, Twitter, walthers, Web 2.0, Web-Agenten, Weblog, Werbung
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Kommentare
Von Chancen und Risiken
Alexander Thelen - 07. Mai 2007, 09:51
Zu Beginn möchte ich Herrn Buser, für die wirklich top informative Internetpräsenz, im Namen aller Internetuser und Online-Markeitnginteressierten danken. Denn leider offenbart die Möglichkeit der unendlichen Interaktivität, die uns das sog. Web2.0 bietet, nicht nur gigantische Chancen ( man nenne den Gedanken des Permission Marketing - und die Möglichkeit von bspw. RSS Feed Abos ), auf der anderen Seite bestehen auch zunehmend Risiken, wie die Vermüllung von Informationen durch Spam und das enorme Aufkommen von unseriösen Offerten.
Die Intension des Web2.0, wie sie schon Marx formulierte: "das Wissen der Masse ist effizienter als das Wissen von wenigen Experten" ist wohl richtig, dennoch brauchen wir Methoden einer Kontrolle oder besser gesagt, eine Auswahl.
Ferner findet auf Betriebswirtschaftlicher Basis, das Problem einer "Verschärfung des OnlineMarkeintgs" durch unendlich viele Hosts und Werbetreibende zu wenig Bedeutung in der unternehmerischen Praxis. Meiner Meinung nach haben deutsche Unternehmen schon eine Menge Trends, die zu einer marktorientierteren und damit effektiveren Arbeitsweise verhelfen, verschlafen und zu spät erkannt. So wird es wohl auch mit dem Potential und den Methoden des Online Marketing sein.
Mit freundlichem Gruß
Wahre Worte
Tom Buser - 31. Mai 2007, 21:17
Danke für Ihren Kommentar Herr Thelen. In der Tat ist der Informationsmüll heute gewaltig. Ein Königreich dem, der mich von meinem täglichen Kampf mit meinen Spam-Mails erlöst...
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TomBuser@twitter
_______________RSS steht für Really Simple Syndication und ist ein Plattform unabhängiges Format, um Informationen im Web auszutauschen. RSS wurde entwickelt, um Nachrichten über das Web zu verbreiten. Mittlerweile hat sich RSS zu einem weitverbreiteten Standard für den automatisierten Austausch von Onlineinhalten aller Art (Blogs, Foren etc.) entwickelt.
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