Profiteure der Marktöffnung

12. Januar 2007 – 18:54:00

Seit dem 1. Januar 2007 ist die nationale Auskunftsnummer "111" nicht mehr in Betrieb. Stattdessen  sind verschiedene Auskunftsdienste über Nummern mit dem Format 18xy erreichbar. Im Moment stehen den Konsumentinnen und Konsumenten rund 15 Telefonauskunftsdienste zur Verfügung, alle vierstellig und mit der Nummer 18 beginnend. Mit der Öffnung des Marktes verspricht sich das BAKOM eine verbesserte Preistransparenz und dank erhöhtem Wettbewerbsdruck langfristig sinkende Gebühren.

Doch, was taugen die neuen Auskunftsdienste? Und welcher Anbieter ist für mich der richtige? Der Kassensturz schafft Abhilfe, indem er gestern die Ergebnisse eines ersten Konsumententests gesendet hat. Dabei waren grosse Unterschiede festzustellen. Viele Anbieter sind zu langsam und zu teuer, einige gar schlecht in der Auskunftsqualität oder gar ratlos. Nur gerade vier Auskunftsdienste erhielten die Note "gut". Interessant ist, dass der Kunde nur dann von der aktuellen Marktöffnung profitiert, wenn er den billigsen wählt. Doch diesen muss er zuerst finden und gerade bei einem relativ günstigen Service wie der Auskunft, der zudem nur zu speziellen Gelegenheiten benutzt wird, speichert sich der Konsument ganz einfach die erst beste Nummer in seinem Telefon ab und benutzt diese ahnungslos und ohne einen Preisvergleich zu ziehen.

Mag sein, dass die Gebühren zukünftig sinken. Denn aufgrund der tiefen Eintrittsbarrieren können viele in diesem Markt mitmischen. Mit einem Call-Center, der richtigen Website (wie zum Beispiel tel.search.ch ) und einer guten Werbekampagne kann ein Anbieter rasch auf Kundenfang gehen. Viele Anbieter verschärfen den Wettbewerb und damit den Druck auf die Preise.

Trotzdem stellt sich die Frage, ob das BAKOM so die Ziele Preistransparenz und sinkende Gebühren tatsächlich erreicht, oder ob wir es auch hier mit einer Situation wie bei den Krankenkassen zu tun haben. Dort sind die Gebühren nach der Marktöffnung nicht gesunken. Im Gegenteil: Jeder kennt die jährlichen Ankündigungsschreiben für die Prämienerhöhung aus eigener Erfahrung. Der aufmerksame Leser wird entgegegnen, dass diese Preistreiberei primär mit den steigenden Gesundheitskosten zu tun hat. Das stimmt, aber nicht nur. Denn ein weiterer Faktor ist das Nullsummenspiel der wechselwilligen Versicherten. Alljährlich wechseln nämlich die einen zur anderen und die anderen zur einen Kasse und im nächsten Jahr dann umgekehrt. So generieren sie bei den Kassen einen riesigen Administrationsaufwand und lassen die Werbebudgets aufgrund der Akquisitionsbemühungen in die Höhe schiessen. Dass wir alle diese Kosten dann in den Krankenkassenprämien wiederfinden versteht sich von selbst.

Als bekennender Anhänger eines gesunden wirtschaftlichen Wettbewerbs bin ich trotzdem der Meinung, dass Marktöffnungen vorher auf den Prüfstand der Sinnhafitigkeit und Verhältnismässigkeit gehören und der nutzen für die Konsumenten in jedem Fall im Vordergrund stehen muss. Wenn das nicht der Fall ist, oder gar Profiteure mit überteuerten oder schlechten Angeboten die Gewinne einstreichen, kann das nicht im Sinne des Erfinders sein.

Von Tom Buser | Kategorie: Kundenservice
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