Profitieren die Kunden vom Migros-Denner Deal?
15. Januar 2007 – 18:31:00
Nachdem wir letzte Woche ein wenn auch kleines Beispiel der Liberalisierung eines öffentlichen Dienstes der Telefonauskunft erlebt haben, jüngst das Beispiel einer sich verstärkenden Monopolisierung: Migros kauft Denner. Mit Spannung erwarten wir was die Wettbwerbskommission dazu zu sagen hat, die ja gewöhnlich bei solchen Deals zuvorderst auf den Plan tritt. Bis heute hat sie sich zum Verkauf noch nicht geäussert. Doch grossen Widerstand ist von dieser Seite nicht zu erwarten. Hüben wie drüben herrscht nämlich eitel Freude über die Nachricht und die (fast) einhellige Meinung, dass mit diesem Schulterschluss die Preise im Schweizer Detailhandel sinken werden.
Doch das Gegenteil könnte der Fall sein. Der Zusammenschluss hat nämlich eher zum Ziel ein Bollwerk gegen die in den Schweizer Markt drängenden ausländischen Discounter wie Aldi und Lidl zu errichten. Und dies soll den Wettbwerb hemmen und nicht fördern. Denn Unternehmen reden zwar immer von Wettbewerb, würden ihn aber am liebsten ausschalten. Bequem ist Wettbewerb eben nicht. Er zwingt Unternehmen sich laufend und rasch an den Kunden und deren sich verändernden Bedürfnissen zu orientieren und das Preis-/Leistungsverhältnis stets zu optmieren.
Da ist Marktdominanz und eine möglichst monopolistische Marktstellung viel komfortabler. Und das ist letztlich der Hintergrund jeder Fusion. Ein hoher Marktanteil ist ein probates Mittel, das ungeliebte Kind Wettbewerb, das einem den kritischen Spiegel der Realität immer wieder schonungslos vor Augen führt, zu schwächen und seine Preise und damit die Gewinne zu schützen. Ein anderer, kundenfreundlicher Weg ist, sich als Unternehmen an hervorragenden Kundenbeziehungen, einem herausragenden Service und unschlagbaren Preis-/Leistungsverhältnis zu orientieren. Doch solches kann man sich nicht einfach erkaufen. Das muss hart und über längere Zeit erarbeitet werden. Gerade deswegen ist es aber ein kreativer und nachhaltiger Ansatz, um sich im Wettbewerb langfristig behaupten zu können.
Dem Kunden kommen die hohen Marktanteile, die durch Zukäufe und Fusionen entstehen leider selten zu Gute. Schon nur aus dem Umstand der Grösse des neu entstandenen Unternehmens. Wenn zwei Dinosaurier sich vereinen, werden deren Nachkommen eben eher keine Gazellen sein.
Von Tom Buser | Kategorie: Unternehmensentwicklung
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Tags: Aldi, Denner, Discounter, Fusion, Kundenbeziehung, Lidl, Migros, Service, Wettbewerbskommission
Aldi, Denner, Discounter, Fusion, Kundenbeziehung, Lidl, Migros, Service, Wettbewerbskommission
Kommentare
Profitieren die Kunden vom Migros-Denner Deal?
M.M. - 15. Januar 2007, 11:34
Ob die Wettbewerbskommission den Deal einfach so absegnen wird, die Frage ist für mich derzeit noch offen. Es geht ja zentral um die Frage, wie viel Heimatschutz die Schweiz noch braucht. Ich denke eher weniger. Ansonsten beurteile ich den Migros-Denner-Deal ähnlich. Mehr dazu hier: http://arlesheimreloaded.twoday.net/stories/3181919/
Wie wirkt sich der
S&R - 17. Januar 2007, 14:45
Wie wirkt sich der "Deal" von Migros und Denner aus ?
Auswirkung auf Aldi und Lidl:
Dieser "Deal" wird sich positiv auf Aldi und Lidl auswirken, denn viele Migros- und Denner-Kunden werden Migros und Denner den Rücken kehren und sich zu Aldi und Lidl wenden, ohne dass sie dabei ein schlechtes Gewissen haben, denn sie fühlen sich von Migros und Denner verraten.
Auswirkung auf die 290 Denner-Sateliten:
Die selbständigen Denner-Sateliten fühlen sich, sich selber überlassen, auch wenn Ihnen die Rückendeckung von Migros/Denner zugesichert wird.
Wenn es nun heisst, die Preise werden gesenkt, so wirkt sich diese Preissenkung zusätzlich nachteilig für die Denner-Sateliten aus, da durch die Preissenkung automatisch auch die Bruttomarge
(= Bruttoeinnahmen mit dem der Denner-Satelit sämtliche Kosten für die Infrastruktur und Löhne decken muss) sinkt, denn wenn ein Produkt weniger kostet, sinkt auch der Bruttoverdienst, auch wenn die Brutto-Marge die gleicht bleibt.
Bei beispielsweise 12% Bruttomarge ergeben sich folgende Bruttoeinnahmen:
Verkaufspreis Fr. 1.50 = Bruttomarge 18Rp.
Preissenkung auf
Verkaufspreis Fr. 1.00 = Bruttomarge 12Rp.
Damit der Denner-Satelit die gleichen Bruttoeinnahmen erzielen kann, um seine Kosten für Infrastruktur und Löhne zu decken, müsste er 50% mehr Produkte verkaufen.
Mit dem kann er aber nicht rechnen, da die Preise von Migros/Denner nicht gesenkt werden, um den Umsatz zu steigern, sondern um den Umsatz gegenüber steigernder Konkurrenz von Aldi und Lidl beizubehalten.
All dies bewirkt kleinere Bruttoeinahmen bei gleichbleibenden Kosten für den Denner-Sateliten.
All dies ist nun keine Theorie, sondern eine effektive Rechnung, die jede Person selber nachvollziehen und auch nachrechnen kann.
"Immer auf die kleinen..." (sicher kennt jede Person dieses Lied)
Die Leidtragenden sind nun nicht Migros und Denner, sondern die "kleinen", die Denner-Sateliten.
Was haben Migros und Denner nun gemeinsam:
Es fehlt beiden etwas ganz Entscheidendes:
Denner fehlt der Kampfgeist von Karl Schweri und
Migros fehlt der Kampfgeist von Gottlieb Duttweiler.
Ein Grund mehr um bei SORGIM reinzuschauen...www.sorgim.ch
Es grüsst Sie herzlich Ihr ETM-Team der EGGER ETM und IHRE ETM-PARTNER und Migros-Genossenschafter.
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